Ein Workshop mit Mehrwert – Wie man Weiterbildung mit sozialem Engagement kombiniert!

Am 23. und 24. Mai 2018 fanden sich 26  Teilnehmer des 81. Lehrgangs des Lehrinstituts des Deutschen Sparkassen- und Giroverband e.V. und drei Mitarbeiter, die als glückliche Gewinner des InnoCamps die Teilnahme an dem Workshop gewonnen hatten für einen Design Thinking-Workshop mit der Innovationsberatung Protostart in der Management Akademie zusammen. Soweit so alltäglich. Das Besondere an dem Workshop war diesmal: Die methodische Weiterbildung wurde mit sozialem Mehrwert kombiniert. Als Kooperationspartner lieferten die Deutsche Krebshilfe und Ohrenkuss zwei für sie wichtige Anliegen, für die im Workshop mit der Innovationsmethode Design Thinking innovative Lösungen entwickelt wurden. So wurde das Kennenlernen der Methode für die Sparkassenmitarbeiter mit einem sozialen Mehrwert versehen und die Deutsche Krebshilfe und Ohrenkuss haben einen inhaltlichen Input zur Problemlösung ihrer jeweiligen Herausfroderungen bekommen – eine Win-Win-Situation!

 

Deutsche Krebshilfe

Die Deutsche Krebshilfe wurde am 25. September 1974 von Dr. Mildred Scheel gegründet. Ziel der gemeinnützigen Organisation ist es, die Krebskrankheiten in all ihren Erscheinungsformen zu bekämpfen. Nach dem Motto „Helfen. Forschen. Informieren.“ fördert die Organisation Projekte zur Verbesserung der Prävention, Früherkennung, Diagnose, Therapie, medizinischen Nachsorge und psychosozialen Versorgung einschließlich der Krebs-Selbsthilfe. Die Deutsche Krebshilfe ist der wichtigste private Geldgeber auf dem Gebiet der Krebsforschung in Deutschland. Weitere Informationen finden Sie hier.

Ohrenkuss

Ohrenkuss ist ein Magazin, das 1998 gegründet wurde und von Menschen mit Down-Syndrom geschrieben wird. Zurzeit besteht das Bonner Ohrenkuss-Team aus 14 Erwachsenen mit Down-Syndrom im Bonner; hinzu kommen mehr als 50 Fernkorrespondent/innen, die in aller Welt verstreut leben und im Homeoffice arbeiten. Thematisch setzt sich das Magazin keine Grenzen – von Mode über Wunder bis zum Anfang der Welt war schon alles dabei. Das Besondere: Die Texte der Autor/innen werden weder korrigiert noch zensiert. Außerdem ist Ohrenkuss unabhängig und werbefrei und hat keinen Träger. Das Magazin finanziert sich allein über Abos, Heftverkäufe, Lesungen und Spenden. Alle Infos zu dem Magazin finden ihr hier.

Die Methode

Design Thinking ist eine Innovationsmethode und Arbeitskultur, die es Teams ermöglicht innovative Ideen und Konzeption aus nutzerzentrierter Perspektive  zu entwickeln. Eingebettet ist Teamprozess in eine kollaborative Arbeitskultur, die effiziente Teamarbeit und eine konstruktive Fehlerkultur ermöglicht. Einsatz findet Design Thinking überall da, wo Unternehmen und Organisationen schnell innovative Lösungen entwickeln wollen, um für Menschen einen Mehrwert zu liefern. Ein weiterer positiver Nebeneffekt der multidisziplinären Teamarbeit im Design Thinking ist die Vernetzung von Menschen und Organisationen über Sparten und Branchen hinweg.

Die Fragestellungen

Wie kann die Deutsche Krebshilfe Millennials für ihr Anliegen gewinnen?

Wie kann Ohrenkuss die bestehende fachliche und mediale Anerkennung nutzen, um sich nachhaltig zu finanzieren?

Das Vorgehen

Um die gestellten Aufgaben zu verstehen und erste Lösungsansätze zu entwickeln, durchliefen die Teilnehmer nach einer methodischen Einführung in intensiver Teamarbeit den Design Thinking-Prozess mit den Phasen Verständnis, Erkundung und Synthese. Zentral dabei ist: Andere Menschen zu einem Thema zu befragen und Empathie für die Zielgruppe zu entwickeln sind extrem wichtig, um Probleme richtig zu verstehen. Die Erkenntnis, die ein Teilnehmer nach den Interviews, die erst einmal eine große Hürde für alle waren, hatte: „Wie leicht das Reden mit den Leuten doch ist, und was man nicht alles rausfindet, wenn man fragt.“

Die Ideen & Prototypen

Auf der Grundlage ihrer Erkenntnisse aus den Interviews und der eigenen inhaltlichen Durchdringung des jeweiligen Themas erarbeiteten die Sparkassenmitarbeiter in wilden Brainstormings Lösungsansätze. Aus den besten Ideen wurden dann Prototypen mit den zentralen Kernfunktionen entworfen.

Für die Deutsche Krebshilfe setzte sich unter anderem die Idee durch einen YouTube Channel mit dem Namen „Weg des Kriegers” einzurichten. In diesem Channel sollen Kurzvideos mit den individuellen Geschichten betroffener Krebspatienten erzählt werden. Für den Prototyp wurde die Idee heruntergebrochen und in ein Storyboard für eine Geschichte umgewandelt. Die Geschichte einer an Krebs erkrankten jungen Frau, die gleichzeitig mit ihrer Freundin das Leben der Millenials lebt, feiern geht und neben der Krebserkrankung ein einigermaßen normales Leben führt. Das Storyboard wurde im weiteren Vorgehen in ein Video, inklusive Rollenspiel, umgewandelt.

Für Ohrenkuss haben sich zwei spannende Ideen durchgesetzt. Zum einen die Idee der Prozente für Ohrenkuss. Zum anderen die Idee des (Rückwärts-)laufevent. Die Idee der Prozente für Ohrenkuss ist, dass beim Kauf von (hochwertigen & -preisigen) Produkten im regionalen Einzelhandel dem Kunden angeboten wird, statt eines Rabatts von 5 % denselben Betrag für Ohrenkuss zu spenden. Wählt er die Spendenvariante, erhält er eine kostenlose Ausgabe sowie einen Gutschein für eine zweite Ausgabe, für die er sich online registrieren muss. Diese Idee wurde durch einen Kassenbon prototypisch dargestellt, der dem Kunden die beiden Optionen (Rabatt oder Spende) darstellt.

Bei dem (Rückwärts-)laufevent handelt es sich um eine Veranstaltung für und mit Menschen mit Trisomie 21 in den Bonner Rheinauen. Der Gewinner erhält in einer Siegerehrung ein Ohrenkuss-Abo auf Lebenszeit. Außerdem gint es ein Meet & Greet und Speis & Trank. Die Idee wurde durch ein Modell der Rheinauen mit dem Laufevent vorgestellt.

 

Die Ergebnisse

Nach einer einer weiteren Interaktionsschleife mit möglichen Nutzern wurden die Ideen des ersten Tages auf der Basis des Feedbacks am zweiten Vormittag iteriert. Im Anschluss wurden die finalen Ergebnisse vor den anderen Teams und den Kooperationspartnern der Deutschen Krebshilfe und Ohrenkuss präsentiert.

Und was nehmen die Beteiligten von den beiden intensiven Tagen mit?

Ohrenkuss hat mittlerweile eine Kooperation mit einem bekannten Café in der Bonner Innenstadt verwirklicht, das zukünftig ihre Tassen dort verkaufen wird. Außerdem nehmen sie mit, dass ihre Öffentlichkeitsarbeit nicht klar genug war in der Vergangenheit und sie nun konkreter ihre Arbeit nach außen kommunizieren müssen. Dafür wollen sie sich auch Kooperationspartner suchen, die ihre Texte publizieren.

Auch die Deutsche Krebshilfe hat gelernt, dass eine gezieltere Kommunikation das A und O für Ihre Öffentlichkeitsarbeit ist. Dazu gehört auch, die Dinge mit einer anderen Brille zu betrachten und sich genau zu überlegen, welche Themen für die Zielgruppe (hier die Spender) wirkliche Relevanz hat. Der Input von außen ist in dieser Hinsicht natürlich Gold wert.

Aber nicht nur die beiden NGOs nehmen wichtigen Input für Ihre Arbeit mit. Auch die Teilnehmer haben einiges gelernt:

„Einfach mal machen und ausprobieren.“ Mario

„Neues Führungsverständnis: nicht ich kenne die Paradelösung, sondern ich nutze die Gruppenintelligenz.“ Nico

„Mal aus einen anderen Blickwinkel an Themen herangehen.“ Isabell

„Die Komfortzone zu verlassen lohnt sich!“ Felix & Marcel

„Sich gut zu informieren ist nur die halbe Miete. Erkundigung wichtig!“ Christoph

„Design Thinking werde ich bei mir in der Praxis zukünftig nutzen!“ Sandra

 

Der Workshop war eine Kooperation der Sparkassen-Finanzgruppe, der Deutschen Krebshilfe und Ohrenkuss.

 

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